Alicja Kubecka

Aktuell: Alicja Kubecka erhält das Bundesverdienstkreuz

Auf Vorschlag von Helmuth Bauer hat Bundespräsident Joachim Gauck am 14. April 2016 Alicja Kubecka das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Es wird ihr vom deutschen Botschafter in Polen in Kürze überreicht werden.

Einladung zur Ordensverleihung

 

Nach der Rede des Deutschen Botschafters in Warschau S.E. Rolf Nikel sprach Alicja Kubecka über ihre Arbeit seit 1992 mit Helmuth Bauer und überreichte das zu dieser Arbeit entstandene Buch "Innere Bilder wird man nicht los ..." von Helmuth Bauer (Metropol-Verlag 2011)
Nach der Rede des Deutschen Botschafters in Warschau S.E. Rolf Nikel sprach Alicja Kubecka
über ihre Arbeit seit 1992 mit Helmuth Bauer und überreichte das zu dieser Arbeit entstandene Buch "Innere Bilder wird man nicht los ..." von Helmuth Bauer (Metropol-Verlag 2011)

Viele weitere Fotos von der Verdienstkreuzverleihung sind hier zu sehen:
--> Fotogalerie (Ⓒ Ambasada Niemiec Warszawa)

Botschafter Rolf Nikel sprach am 21. Juli 2016 bei der Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande an Alicja Kubecka

Sehr geehrte Frau Kubecka,

sehr geehrte Familie von Frau Kubecka,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass ich heute Sie, liebe Frau Kubecka, hier in meiner Residenz willkommen heißen darf. Wir haben uns heute zusammengefunden, um Sie zu ehren und Ihre Lebensleistung für die deutsch-polnische Aussöhnung zu würdigen.

Ihr Lebensweg ist – wie der Lebensweg so vieler Angehörige Ihrer Generation – gezeichnet durch den Krieg. Im deutschen Namen wurden in diesem Krieg fürchterliche Verbrechen begangen. Im August 1944 wurden sie während des Warschauer Aufstandes, bei dem ihr Vater ums Leben kam, verhaftet. Sie wurden über das Konzentrationslager Großrosen in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert. Bis zu ihrer Befreiung am 2. Mai 1945 mussten sie Zwangsarbeit im KZ-Außenlager Genshagen leisten.

Deutschland ist sich seiner Verantwortung für die Verbrechen bewußt, die Polen von deutscher Hand angetan wurden. Wir wollen und werden dies niemals vergessen. Desto mehr weiß ich zu schätzen, dass Sie, liebe Frau Kubecka, Ihr Leben der Aussöhnung zwischen unseren Völkern widmen. Viele andere in diesem Raum haben sich ebenfalls für diesen Weg entschieden. Nach unsäglichem persönlichem Leid haben Sie mit großer Würde und weitem Herzen Deutschland die Hand zur Versöhnung gereicht. Dafür sind wir Deutsche Ihnen sehr dankbar, auch ich persönlich.

Bereits zu Beginn der 1990er Jahre knüpften Sie Kontakte mit dem Maximilian-Kolbe-Werk. Seither setzen sie sich in vielfältiger Weise für die KZ- Und Ghetto-Überlebenden in Warschau ein. Mit Hilfe einer Krankenschwester und einer Ausgabestelle für Medikamente organisieren Sie die Versorgung von Schwerkranken. Für Überlebende, die sich aufgrund ihrer Krankheit in einer schwierigen finanziellen Situation befinden, vermitteln Sie finanzielle Hilfen des Maximilian-Kolbe-Werkes aus Deutschland.

Auch in Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück setzen Sie sich für die Aussöhnung ein. Nicht nur haben Sie wesentlich dazu beigetragen, die Geschichte des Lagers Ravensbrück vertiefend zu dokumentieren. Seit vielen Jahren reisen Sie zudem mit polnischen Jugendlichen zu den Befreiungsfeiern nach Ravensbrück. Sie wollen die Schüler für die deutsch-polnische Geschichte sensibilisieren. Der Wert eines in Frieden vereinten Europas ist Ihnen wichtig.

Darüber hinaus engagieren Sie sich in herausragender Weise als Zeitzeugin gegen das Vergessen. Wir wissen, dass wir Geschehenes nicht ungeschehen machen können. Aber: Wir können Erinnerung und Mahnung in unsere Lebensmitte holen. Deshalb bin ich Ihnen auch persönlich dankbar, dass Sie mehrmals im Jahr an Zeitzeugenprojekten des Maximilian-Kolbe-Werks in Deutschland teilnehmen, um ihre Erinnerungen an junge Deutsche weiterzugeben. Sie ermuntern damit junge Menschen, sich für die Freundschaft zwischen Polen und Deutschen sowie für eine friedliche Zukunft in Europa einzusetzen.

Deshalb hat der Bundespräsident Ihnen für Ihre Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung und Ihren humanitären Einsatz für KZ- und Ghetto Überlebende das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Ich darf Ihnen die Verleihungsurkunde reichen.

Ich wünsche Ihnen, sehr geehrte Frau Kubecka, und Ihrer Familie weiterhin alles Gute und vor allem gute Gesundheit.

Lassen Sie uns nun auf das Wohl von Frau Kubecka anstoßen.

Warschau, 21. Juli 2016

Quelle: http://www.polen.diplo.de/Vertretung/polen/de/02-die-botschaft/01-botschafter-referate/rede-kubecka.html

Gratulationsschreiben von Dr. Lothar Ulsamer, Daimler AG

Gratulationsschreiben von Dr. Lothar Ulsamer, Daimler AG (PDF-Datei, ca. 500 KB)

Gratulationsschreiben von Prof. Dr. Sigrid Jacobeit, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (1993-2005)

Gratulationsschreiben von Prof. Dr. Sigrid Jacobeit,
Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (1993-2005) (PDF-Datei, ca. 130 KB)

Rede von Alicia Kubecka, Stadtarchiv Stuttgart, 15.2.2011

Meine Damen und Herren, sehr verehrte Anwesende,

ich spreche zu Ihnen als ehemalige Gefangene des KZ Ravensbrück im Namen der Nichtanwesenden und teilweise auch nicht mehr lebenden Freundinnen.

Das heutige Zusammenkommen in Stuttgart hat einen nicht alltäglichen Charakter. Es ist keine Einladung zu einem Treffen mit Jugendlichen, an denen ich oft teilgenommen habe und die ich für sehr wichtig halte.

Es ist auch kein Treffen anlässlich der wiederkehrenden Jahrestage der Befreiung der Lager. Nichtsdestotrotz behaupte ich, dass der Anlass des heutigen Tages und der Grund, weshalb wir uns heute versammelt haben, von großer Bedeutung ist.

Es wurde vor kurzem das Buch von Helmuth Bauer veröffentlicht, das zur Geschichtsforschung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück gehört und seine besondere Aufmerksamkeit auf das Außenlager Genshagen legt, in dem ich viele Monate verbracht habe und Zwangsarbeit leisten musste.

Ich möchte in diesem Moment meinen großen Dank dem Autor sagen, für die aufgebrachte Mühe und die vielen und langwierigen Vorarbeiten zu diesem Werk. Vor allem möchte ich mich für die Wahrheit und die Wahrhaftigkeit des Buches bedanken, die wir in den zwischenmenschlichen Beziehungen so oft vermissen.

Es ist wahr, - die Geschichten, die das Buch erzählt, sind sehr oft tragisch, schwer und unbegreiflich.

Eine solche Veröffentlichung erlaubt uns jedoch, mehr als nur den Lageralltag zu erkennen und zu verstehen.

Das Erscheinen des Buches von Helmuth Bauer verstehe ich als einen weiteren Schritt in den deutsch-polnischen Bestrebungen zu einem objektiven Blick auf die jüngere Vergangenheit.

In den vergangenen Jahrhunderten dominierten zwischen unseren Ländern nicht nur Feindlichkeit und Abneigung, und auch jetzt soll man versuchen, gute nachbarschaftliche Beziehungen anzustreben.

Versöhnung und Freundschaft sind nur dann wahrhaftig, wenn sie auf Wahrheit begründet sind, und die Anerkennung von schwieriger Wahrheit einschließt.

Deshalb sollte die Veröffentlichung von Helmuth Bauer ins Polnische und in andere Sprachen übersetzt werden, so dass sie auch in Polen und in anderen Ländern Europas bekannt wird und ihre Bestimmung erfüllen kann.


Am 20. März 2015 hat Alicja Kubecka Schüler und Lehrer der Montessori-Schule Berlin fast 3 Stunden mit ihrer bewegenden Deportationsgeschichte ins KZ-Ravensbrück und ins KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen in Atem gehalten.
Am 20. März 2015 hat Alicja Kubecka Schüler und Lehrer der Montessori-Schule Berlin fast 3 Stunden mit ihrer bewegenden Deportationsgeschichte ins KZ-Ravensbrück und ins KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen in Atem gehalten.

Alicja Kubecka mit Helmuth Bauer am 71. Jahrestag des Befreiung in Ravensbrück
Alicja Kubecka mit Helmuth Bauer am 71. Jahrestag des Befreiung in Ravensbrück (Foto: Marianne Drechsel-Gillner)

 

Rede von Frau Alicja Kubecka am 16.10.2011 bei der Neueröffnung der KZ-Gedenkstätte Neckarelz beim Pflanzen der Rose „Auferstehung“


(PDF-Datei, ca. 240 KB)

Alicja Kubecka im Kreise von polnischen Ravensbrück-Überlebenden, April 2016

Alicja Kubecka im Kreise von polnischen Ravensbrück-Überlebenden, April 2016