Edit Bán Kiss

geboren am 21. Mai 1905 in Budapest, gestorben am 27. Oktober 1966 durch Suizid in Paris
Edith Bán Kiss war eine ungarische Bildhauerin und Malerin.

Leben

Edith (ursprünglich ungarisch: Edit) war die jüngste von 4 Töchtern des Ehepaares Dr. Frigyes und Melitta Rott in einer assimilierten ungarisch-jüdischen Familie. In den zwanziger Jahren studierte sie Bildhauerei an den Kunstakademien in Budapest und Düsseldorf und Malerei bei István Réti in der Künstlerkolonie von Nagybánya (Siebenbürgen). In den Dreißigerjahren sympathisierte Edit Rott mit einem Bund sozialistischer Künstler. Erste Heirat mit Tivadar Bán. Chefsekretärin bei Dr. Sándor Kiss, dem Direktor der Hitel-Bank in Budapest. Ende Oktober 1944 Zwangsarbeit in Ungarn und Deportation über Österreich ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Am 6. Dezember 1944 zusammen mit etwa 80 ungarischen Jüdinnen zur Zwangsarbeit ins Daimler-Benz Werk Genshagen bei Ludwigsfelde überführt. Dort mussten 1100 Frauen aus Ravensbrück Mercedes-Benz Kampf-Flugzeugmotoren montieren. Gegen Kriegsende zurückgeführt nach Ravensbrück, wo die Jüdinnen aus Genshagen noch in der Gaskammer ermordet werden sollten, was durch den Vormarsch der Sowjetischen Armee verhindert wurde. Mit ihrer Freundin Ágnes Galambos (später Ágnes Bartha) am 30. April Flucht aus dem „Todesmarsch“ bei Strasen/Havel. Auf abenteuerlichen Wegen über Berlin, Prag, Bratislava Rückkehr nach Budapest am 1. Juli 1945.
In den Wochen unmittelbar nach der Rückkehr malt Edit die 30 Gouachen des Zyklus „Deportation“, erste Ausstellung schon am 22. September 1945 in Budapest. Scheidung und
Heirat mit Sándor Kiss, mit dem Edit in den Westen emigriert. Im Juli 1948, als Sándor und Edit Kiss bereits ausgereist waren, wird an der Synagoge in Budapest-Újpest ihr bildhauerisches Hauptwerk feierlich eingeweiht: 4 große Stein-Relieftafeln mit Darstellungen vom Deportationsmarsch aus Budapest nach Österreich, der Zwangsarbeit, des Vernichtungslagers, der Befreiung. Eines der frühesten und eindrucksvollsten künstlerisch gestalteten Erinnerungsorte des Holocaust, zum Gedenken an die über 16000 jüdischen Einwohner von Újpest, die nicht aus der Deportation zurückgekehrt sind.
In Ungarn nach der Ausreise verdrängt und vergessen, spiegeln auch die späteren Bilder von Edith Kiss häufig die Leiden aus der Deportation wieder, und Edith findet keinen Anschluss an Kunst und Künstler im Westen. Nach Aufenthalten in der Schweiz, Casablanca, Paris und London nimmt sich Edith Kiss in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober in einem Hotel in Paris das Leben.

Werk

Verstreut einzelne Plastiken in Budapester Museen und in Privatbesitz. Ca. 50 Gouachen und Ölgemälde wurden in den Jahren seit 1992 wieder aufgefunden. Sie befinden sich in Privatbesitz.

Ausstellungen nach dem Tod der Künstlerin

1994 Haus Ungarn Berlin
1995 Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
1995 Landtag Potsdam
1995 Paris „La Déportation 1933 – 1945“
1996 Budapest – Jüdisches Museum
1997-1999 Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
2010 Holocaust Memorial Budapest HDKE
2014 Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/ Mercedes-Benz-Vertriebszentrale Deutschland, Edith-Kiss-Strasse
2014 Budapest – Bálint ház

Ehrungen

Beschluss der Bezirksverordneten-Versammlung Friedrichshain-Kreuzberg, die „Planstraße D“ bei der neuen „Vertriebszentrale Deutschland“ der Mercedes-Benz AG nach Edith Kiss zu benennen.

Literatur

Helmuth Bauer: "Innere Bilder wird man nicht los. Die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen". Metropol Verlag, Berlin 2010 (Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Band 30), ISBN 978-3-940938-88-6. (Darin Kapitel 1: Biografie Edith Bán Kiss (1905–1966), S. 20–147 sowie Abbildungen 1–153)

Film

Kiss Edit: Elveszett kepék (Verlorene Bilder)". Film von Helmuth Bauer, 1. Ungarisches Fernsehen MTV1, 60 min, 1997